Doitsu Koryû Uchinâdi shochû geiko mit Olaf Krey kyôshi und Borut Kincl am Frauensee, 29.7. – 6.8.2017


Epilog

Mittwochabend im Furykan:

“Wo ist denn Felix?”

„Im Sommerlager.“

„Ach das ist schon? Wolltest du nicht auch dorthin?“

„Ja – ich bin bis gestern Abend dort gewesen.“

„Das geht? Ich denke man kann nur die komplette Zeit teilnehmen?“

 

Berufliche, familiäre oder andere Verpflichtungen be- oder verhindern manchmal unsere Kampfkunst-Übung, Prioritäten müssen gesetzt werden und Entscheidungen sind abzuwägen. Ein Für das Eine bedeutet in der Regel auch Gegen das Andere. Und manchmal oder oft sind Kompromisse notwendig, und selbst dann mag was für den Einen nach Kompromiss aussieht der in Wirklichkeit vielleicht schwierigere Weg sein.

Als die Rahmenbedingungen für eine Teilnahme am Sommerlager für dieses Jahr standen, hatte ich eigentlich schon die Entscheidung getroffen dass es wohl diesmal nicht klappen würde – auf der Arbeit die angespannte Urlaubssituation, die Tochter kommt in die Schule und die Frau hat in der letzten Ferienwoche mit der Vorbereitung des Schulunterrichts zu tun. Na dann kann ich diese Woche mal die Füße hochlegen, man muss ja nicht jedes Jahr ins Sommerlager fahren.

Das wäre der einfachere, bequemere Kompromiss für mich gewesen – und das spürte ich innerlich. Also das Gespräch mit Olaf gesucht die Situation geschildert und geklärt.. und so stand beziehungsweise lag ich auch dieses Jahr im schönen Sand der märkischen Kieferwälder und konnte wieder im Frauensee schwimmen.

Sommerlager – das bedeutet 3 zweistündige Trainingseinheiten pro Tag – am Vormittag Nyûmon / Kihon, am Nachmittag Kobudô und Abend Boxen. Dazwischen Essen, Trinken und Schlafen. Wir haben Zeit uns mit uns und unserer Kampfkunst zu beschäftigen, also alles super und wie immer. Zirka einen Tag waren wir wunderbar in Harmonie mit uns, unserem Training und unserer Umwelt – und du bemerkst es erst (wie so oft) wenn diese gestört wird, der Gegenentwurf zu unserer schönen heilen Trainingswelt auf dem Platz steht, die Kommandos für die Übenden per Mikrofon aus der (ihrem Namen alle Ehre machenden) LAUTsprecherbox kommen und Olaf akustisch kaum noch eine Chance hat.

Eigentlich nichts Neues am Frauensee, nach „Anti-Heimweh-Lied“ und „Atemlos“ sollte man eigentlich akustisch abgehärtet sein, aber vielleicht liegt es ja daran dass es diesmal nicht Zirkustraining oder Feuerwehr, sondern eine Karategruppe ist, und man die eigenen Ansprüche, Sichtweisen und Sensibilität für seine Umwelt automatisch überträgt, quasi „thinking inside the box“? Nein – glaube ich nicht.

Als wir uns gerade wieder in den Sommerlager-Modus a la „eat-train-sleep – repeat“ mit Nyûmon-Kobudô-Boxen eingeschwungen hatten durften wir am Dienstagabend Borut Kincl im Sommerlager begrüßen. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie schnell man zu Personen die man zum ersten Mal trifft über die Kampfkunst eine Beziehung und Vertrauen aufbauen kann und sich schnell ein Gefühl einstellt, als würde man sich schon lange kennen. Zwar war es nur ein Training welches ich miterleben durfte, dennoch war es beeindruckend und hat viel Spaß gemacht. Wir übten Grundschläge mit dem Kurzstock sowohl allein als auch mit Partner, die Brücken zu anderen Waffen beziehungsweise waffenlosen Techniken wurden gezeigt – und alles in einem sehr motivierenden Rahmen, der viel Spaß machte und dennoch auch die Ernsthaftigkeit der Techniken vermittelte.

Dann hieß es leider schon wieder Abschied nehmen, ein letztes Bad im See und mitten durchs Gewitter zurück in die Heimat. Auch wenn es dieses Jahr nur ein halbes Sommerlager für mich war bin dankbar teilnehmen zu dürfen, Teil der Gemeinschaft zu sein, Freunde zu treffen und zu vermissen.

Vielen Dank an Patrick McCarthy hanshi der dies alles ermöglicht hat, dem unermüdlichen und sich nie schonenden Olaf Krey kyôshi, Tanja, Jan und Andreas aus Potsdam für die Organisation, Dinah, Felix und Jannik für die verschiedenen Trainingseinheiten, Borut Kincl für den Einblick ins Kempo-Arnis sowie allen Teilnehmern des Sommerlagers.

Sascha Ringel

 

Verrückte, bunte Reise,

mal Tinnitus und mal leise,

Der Bizeps wächst vom

Steuerrad-Rumgereiße

So selten fitte Planung

Bin mehr so dritte Mahnung,

Doch immer sicher im Gemetzel

dank der schicken Tarnung.

Ich schätze Wegbegleiter,

auch wenn alles seine Zeit hat,

mal 11 Freunde, dann

doch „One on One“-Karate-Fighter.

Und streikt der Sendeton,

Bleibt immer die Erinnerung.

Halt neuer Plan dann, im Blick

nach vorn steckt Linderung.

Sowieso / Mark Forster