Sommerlager am Frauensee, 1. – 9. August 2020


Am Frauensee

Im Brandenburger Land,

Da gibt’s ein KU-Summercamp

Und jede Menge Sand. Hey!

(Brandenburger Volkslied nach A. Eggert & O. Krey)

Deal with infinity – Mugen ni torikumi nasai

Auf die Nachfrage nach der Anzahl der erforderlichen Übungswiederholungen antwortete Olaf sensei in einem vergangenen Sommerlager „Deal with infinity.“ – und so hatte das diesjährige Sommerlager sein Motto gefunden. Wer jetzt erwartet hatte, dass dieses ja dann dem Motto folgend besonders (unendlich) viele Liegestütze, Ausfallschritte oder sonstige Übungen durch Olaf auf dem Programm standen, wurde leider enttäuscht. Lediglich Felix hat in der Abschlussrunde des abendlichen Boxtrainings uns noch in quasi nicht-endenden Intervallübungen gefordert.

Aber kommen einem nicht 3 mal 2 Stunden intensives Training pro Tag bei sommerliche Hitze über eine Woche wie Unendlichkeit vor? Warum sollte man sich dieser Herausforderung stellen? Wie protestiert meine innere Stimme bei der ersten innigen Begegnung mit dem Sand in einer kämpferischen Situation, den ersten nie ausbleibenden Verletzungen oder nervenden Abschürfungen? Protest oder Annehmen und versuchen zu lächeln? Wie lange halte ich das (noch) durch?  Was bleibt von meinem Technik-Repertoire und meiner Haltung außerhalb der idealen Dojo-Welt übrig?

Im täglichen Leben fallen immer wieder Analogien zwischen der Kampfkunstübung und der Übung mit der Gitarre auf, so auch wieder im Sommerlager. Der erste gemeinsame Musizierversuch endet für mich wenig zufriedenstellend – beim Schein der Stirnlampe in beengter Lage auf einer unbequemen Bank ist doch anders als im idealen Wohnzimmer, Lieder die zu Hause noch problemlos funktionierten gehen gar nicht mehr. Olafs Hinweis nicht schön zu spielen sondern funktional hat es dann für die zweite Runde gebracht – und so singen und schrammeln wir bis nachts um zwei..

Ich liebe das Sommerlager, weil es dort möglich ist, in einer sicheren Umgebung seine eigenen Grenzen immer wieder zu erfahren, wertvolle Zeit mit Freunden innerhalb und außerhalb der Kampfkunstübung zu verbringen, sich über Entwicklungen zu freuen, Rückmeldung zu erhalten und zu geben. Es lehrt mich Gleichmut gegenüber unangenehmen Situationen, diese anzunehmen und den notwendigen inneren Kampf zu führen. Ich empfinde Dankbarkeit und Demut gegenüber der Natur, wenn ich nach dem Abendtraining allein und still in der Dämmerung beim Schein des aufgehenden Mondes lautlos in den Frauensee gleite.

Vielen Dank allen Teilnehmern für dieses wie immer besondere Sommerlager – insbesondere Olaf Krey kyoshi fürs Organisieren und Unterrichten, Tanja für die Organisation und die Shiatsu-Stunde, Felix sensei für das Abendtraining und seine unerschöpfliche Energie, Hendrik sensei für seine Un-Bequemlichkeit, Tom für das Morgen-Yoga und allen Erst-Teilnehmern fürs Durchhalten!

(Sascha)